SPOCs vs. MOOCs? Zu einer Scheindebatte

Genau betrachtet, entpuppen sich die kürzlich in einer Wochenzeitung zum neusten Trend deklarierten SPOCs als nichts anderes als das alte E-Learning – lediglich schön verpackt in einen neuen Begriff.

Als MOOC-Vorreiter im europäischen Raum kann das Hasso-Plattner-Institut (HPI) mit seiner Plattform https://open.hpi.de auf einen relativ hohen Prozentsatz an Teilnehmerinnen und Teilnehmern verweisen, der die offenen Onlinekurse zu Themen der Informationstechnologie erfolgreich abschließt: Im Schnitt sind es 15 bis 20 Prozent. Wenn man nur die aktiven Nutzer betrachtet, die mindestens einmal einen Beitrag im Diskussionsforum gepostet oder eine Hausaufgabe eingereicht haben, sind es über 50 Prozent. MOOCs pauschal hohe Abbrecherquoten zu unterstellen, ist also falsch.

Im Gegensatz zu Präsenzkursen an der Universität startet einfach nicht jeder Teilnehmer mit der Intention, ein Zeugnis zu erwerben. Viele finden zwar die Inhalte spannend, haben jedoch keinen Bedarf an einem Abschlussnachweis. Hinzu kommen sogenannte No-Shows, Nutzer, die sich für einen Kurs einschreiben, dann aber während der Kurslaufzeit kein einziges Mal auftauchen.

Die Wissensvermittlung in MOOCs undifferenziert als „Frontalunterricht“ abzutun, wird der Realität nicht gerecht. Es gibt zahlreiche MOOC-Anbieter, die eine Vielzahl anderer Unterrichtsformen nutzen oder aktuell intensiv am Einsatz neuer Methoden arbeiten. Peer Assessments, bei denen Nutzer die Aufgaben anderer Nutzer bewerten und der Austausch mit anderen Lernern in einem Diskussionsforum sind Beispiele für die Interaktion in der Lerngemeinschaft als Teil des Lernprozesses. Auch Hands-On-Aufgaben, die gerade in Programmierkursen häufig zum Einsatz kommen, fordern aktives Mitdenken und fördern praktische Fähigkeiten.

Ein Ende der Präsenzuniversität ist tatsächlich nicht zu erwarten, denn MOOCs sollen diese ja nicht ablösen, sondern ergänzen. Bei openHPI beobachten wir, dass der Großteil der Nutzer schon längst aus dem Studienalter heraus ist und fest im Berufsalltag steckt. Für diese Menschen ist das Angebot, Wissen in Bereichen aufzubauen, die für das persönliche und berufliche Weiterkommen, wichtig und hilfreich sind, sehr wertvoll. Gleiches gilt für betriebliche Schulungen und Fortbildungsangebote, die Unternehmen für ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bereithalten. Branchenübergreifend erkennen immer mehr Unternehmen von SAP über Metro bis zur Telekom die Chancen, die in MOOCs stecken und setzen diese um.

Natürlich gibt es unterschiedliche Lerntypen und manche bevorzugen das Lernen in Kleingruppen. Dieses wird innerhalb der größeren Lerngemeinschaft eines MOOCs zum Beispiel durch die Bildung von Lerngruppen (Collab Spaces) ermöglicht. Gerade aufgrund der Heterogenität in der Gruppe von Lernenden ist es wichtig, einen Mix verschiedener Lernformate anzubieten.

MOOCs als unterstützendes Bildungsmedium im Zeitalter immer schnellerer digitaler Transformation sind sicher nicht Stein der Weisen, aber doch ein wichtiges Element im System unserer Gesellschaft.

 

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Über openHPI

openHPI ist die Internet-Bildungsplattform des Potsdamer Hasso-Plattner-Instituts. Bei openHPI können Sie in einem weltweiten sozialen Lernnetzwerk an interaktiven Online-Kursen zu verschiedenen Themen der Informationstechnologie (IT) teilnehmen.

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